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Was David Low reizte, waren Übersteigerungen. Der Zeichner wollte
unhaltbare Widersprüche und grobe Allgemeinplätze bloßstellen.
Meist visualisierte Low seinen Oberst in der Sauna sitzend, wo er nackte
Halbwahrheiten ausschwitzt. Vom Künstler mit knappen Tuschestrichen
aufs Papier gebracht, offeriert Blimp groteske Lösungen für die
anstehenden Weltprobleme mit dem Ernst des bis in die Bartspitzen seines
Walroßbartes Überzeugten. Viele von Blimps grotesken 'Lösungsvorschlägen',
so scheint es, könnten auch heute noch gemacht werden. So rät
der beleibte Oberst etwa: "Wir müssen das Heer der Arbeitslosen dazu
zwingen, freiwillig ins Heer einzutreten." An anderer Stelle verlangt er:
"Um die britische Freiheit zu bewahren, mein Herr, müssen wir die gesamte
Labour Party einsperren." Die ostentative Sorge um eine Freiheit mit Schlagseite
veranlaßt Blimp zu dem Vorschlag: "Wir müssen die Redefreiheit
in unserem Land bewahren, jedoch zugleich verhindern, daß die falschen
Leute etwas sagen." Als eine noch radikalere Lösung empfiehlt er: "Die
öffentliche Erziehung muß eingestellt und die Schulen müssen
geschlossen werden. Könnten die Menschen nicht lesen, so wüßten
sie auch nichts von der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Auf diese Weise
läßt sich das Vertrauen in die Regierung mit einem Schlag wiederherstellen."
Das Fach British Studies befaßt sich mit der Gesellschaftsstruktur und den Gegenwartskulturen Großbritanniens unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichten. Methodisch gesehen, zählt British Studies zu den Kulturwissenschaften. Dem Fach liegt ein theoretisches Konzept zugrunde, das Kultur als die Summe der Konstruktionen und kulturellen Praxen einer Gesellschaft und ihrer Gruppen versteht. Dabei werden nicht nur Großgruppen zum Gegenstand wissenschaftlicher Beschäftigung gemacht, sondern auch Minderheiten in ihrer Vielfalt und ihrem Recht auf Anerkennung betrachtet. Das theoretische und praktische Erkenntnisinteresse richtet sich auf das Zustandekommen von Lebensweisen und Umgangsformen, Glaubenshaltungen und politischen Ansprüchen, Institutionen und Repräsentationen. Arbeitsgrundlage einer Auseinandersetzung mit der britischen Kultur sind vor allem 'Texte', verstanden in einem umfassenden Sinn. Darunter fallen nicht nur klassische Textsorten wie Verfassungstexte, philosophische Werke, historische Darstellungen, journalistische Artikel usw., sondern ebenfalls literarische Quellen, Bildmaterial, Filme, Reklame, Bauwerke, Karikaturen (wie Colonel Blimp), symbolische Repräsentationen (z.B. Fahnen) und Alltagsgegenstände (etwa Kleidungsstücke, Möbel). Zur Entschlüsselung dieser 'Texte' und Repräsentationen werden historische, soziologische, anthropologische, und hermeneutische Verfahren genutzt. Die Vermittlung der Lehrinhalte geschieht in einübenden Proseminaren und exemplarisch ausgerichteten Hauptseminaren. Die Lehre wird unterstützt durch Exkursionen. Insbesondere der Diplomstudiengang Anglistik fördert den Studienaustausch und verlangt ein zeitlich in den Studiengang integriertes Auslandssemester in Zusammenarbeit mit britischen Partneruniversitäten. Ziel des Faches British Studies ist der
Erwerb breit angelegter wissenschaftlicher Kenntnisse über Großbritannien
und einzelne Commonwealthländer. Außerdem werden an Fallbeispielen
vertiefte Einsichten in exemplarische kulturelle, politische, historische
und wirtschaftliche Zusammenhänge vermittelt. Das Studium soll Absolventinnen
und Absolventen dazu befähigen, die Kultur des anderen Landes zu verstehen
und im beruflichen (geschäftlichen, lehrenden, interpretierenden) Umgang
zu berücksichtigen. Darüber hinaus verfolgt der Studiengang grundsätzlich
eine Sensibilisierung für Fremdeitserfahrung. Das gilt nicht nur für
'andere' Kulturen, sondern auch für das 'Fremde' im eigenen Lebenszusammenhang.
![]() "Revolution at our Turkish bath", Karikatur von David Low, Evening Standard, London, 29. Juli 1936 |
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Auf dieser Seite zu finden: Informationen zu British Studies |
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